Der Axolotl ist einzigartig im Tierreich. Amputierte Gliedmaßen wachsen bei ihm nach, sogar Teile von Herz, Hirn und Wirbelsäule erneuern sich nach Verletzungen von allein. Jetzt wollen Wissenschaftler dem Schwanzlurch das Geheimnis der Selbstheilung entlocken.
Eigentlich machen die Axolotl einen vergnügten Eindruck. Knapp hundert der Schwanzlurche dümpeln in den Aquarien der Medizinischen Hochschule Hannover, jeweils zu zweit oder in kleinen Gruppen. Mit den Kiemenbüscheln, die ihnen wie Haare vom Kopf abstehen, und ihrem scheinbar lächelnden Maul wirken die Axolotl sympathisch. Und sie sind neugierig. Nähert man sich ihren Bassins, kommen sie an die Scheibe geschwommen und drücken ihre winzigen Vorderfüße dagegen.
Einige aber sehen anders aus, ihnen fehlt ein Arm oder ein Bein. Manchen ist schon ein Stumpf nachgewachsen.
Forscher haben den Lurchen Teile der Gliedmaßen amputiert oder Hautlappen entfernt, um ihre Regenerationsfähigkeit zu untersuchen. Für die Tiere geht das schmerzfrei unter Narkose, der Schnitt blutet kaum. "Die Gerinnung setzt blitzschnell ein", sagt Mediziner Björn Menger. "Man kann der Heilung fast zuschauen." Bis das Körperteil vollständig regeneriert ist, dauert es meist nur wenige Monate und "bei ganz jungen Tieren sogar nur einige Wochen", hat Molekularbiologin Kerstin Reimers-Fadhlaoui festgestellt.
Es ist diese ungeheure Fähigkeit zur Regeneration, die den Axolotl - in Deutschland durch den Buchtitel "Axolotl Roadkill" einem Massenpublikum bekannt geworden - für die Wissenschaftler so wertvoll macht. Abgetrennte Gliedmaßen, Teile von Herz, Gehirn und Wirbelsäule samt Rückenmark kann der Axolotl komplett funktionstüchtig erneuern, was ihn zum Unikum unter den höheren Wirbeltieren macht.