Das Bild des Geistes ist auch offen für weibliche Züge in der ansonsten von männlichen Bildern dominierten Gottesvorstellung des Christentums.
Das hebräische Wort für Geist "Ruach" ist feminin; ebenso der griechische Geistwort "Sophia" (Weisheit).
Von Ur an: Gott in Geselligkeit, Gott mit Sophia, der Frau, der Weisheit, geboren, noch ehe alles begann.
Sie spielte vor dem Erschaffer, umspielte, was er geschaffen, und schlug, leicht hüpfend von Einfall zu Einfall, neue Erschaffungen vor: Warum nicht einen anmutig gekurvten Raum? Warum nicht Myriaden pfiffiger Moleküle? Warum nicht schleierwehende Wirbel, Gase? Oder Materie, schwebend, fliegend, rotierend?
So sei es, lachte Gott, denn alles ist möglich, doch muss Ordnung ins Ganze - durch Schwerkraft zum Beispiel. Dazu aber wünschte Sophia sich ebensoviel Leichtigkeit. Da ersann Gott die Zeit. Und Sophia klatschte in die Hände. Sophia tanzte, leicht wie die Zeit, zum wilden melodischen Urknall, dem Wirbel, Bewegungen, Töne entsprangen, Räume, Zukünfte, erste Vergangenheiten - der kosmische Tanz, das sich freudig ausdehnende All. Fröhlich streckte Sophia Gott die Arme entgegen. Und Gott tanzte mit.
Am Anfang also: Beziehung. Am Anfang: Rhythmus. Am Anfang: Geselligkeit. Und weil Geselligkeit: Wort. Und im Werk, das sie schuf, suchte die gesellige Gottheit sich neue Geselligkeiten. Weder Berührungsängste noch hierarchische Attitüden. Eine Gottheit, die vibriert vor Lust, vor Leben. Die überspringen will auf alles, auf alle.
Bildchen, naiv. Doch wie sonst fass ich´s? Imagines, imaginatio. Doch wer glaubt, glaubt an Wunder. Wunder ist der Inhalt jeder Theologie.
Kurt Marti
...habe heute wieder einige Pfingstrosen aus dem Garten zur Flower of Change gestellt