Das glaubt man im ersten Moment nicht: Es ist ja schon komisch, dass man einen Oscar gewinnen soll. Ganz merkwürdig. Nach mehrmaligem Lesen durfte man das glauben. Und weiterzählen.
Max Zähles Meisterstück ist der Kurzfilm "Raju". Seine Abschlussarbeit an der Filmhochschule hat das Finale im Rennen um den Studenten-Oscar erreicht, der am 11. Juni vergeben werden soll. "Raju" erzählt die Geschichte einer Adoption eines armen, elternlosen indischen Kindes, die Geschichte von Jan und Sarah, die nach Kalkutta reisen, um ein Waisenkind - Raju - aufzunehmen. Für die beiden ist es Familiengründung und gute Tat in einem. Doch diese Geschichte hält für keinen in der Kleinfamilie ein Happy End bereit. "Es ist ein Drama, ein menschliches Drama", so Zähle. "Sowohl für die Eltern, als auch für das Kind, als auch für die Eltern von dem Kind, denen das Kind entführt wurde." Denn Raju hat Eltern. Er wurde von Menschenhändlern entführt, geraubt, zur Waise erklärt. Jan und Sarah fragten nicht nach - doch die Wahrheit holt sie ein.
Er: "Der Junge hat Eltern. Richtige, leibliche Eltern!" Sie: "Ich geb den nicht her! Er ist unser Sohn, mach nicht alles kaputt! Hör auf! Hör auf!!" Kinderwunsch und Kinderraub
Max Zähle erzählt kein familiäres Schauermärchen, sondern einen konkreten Fall von vielen: Der grenzenlose Kinderwunsch der westlichen Welt hat oft eine brutale Kehrseite in den armen Ländern. Kinderraub. "Bei vielen ist der Kinderwunsch so groß, dass man blind wird für mögliche Anzeichen einer Illegalität", sagt Zähle. "Es ist natürlich dramatisch und ein schweres Schicksal, wenn man keine Kinder bekommen kann. Aber das Recht auf ein Kind, das hast du einfach nicht, und dieses Recht beschaffen sich manche, und das ist falsch."