Laudatio für Reinhard Mey zum Gema Autorenpreis 2011
von Klaus Hoffmann
Er ist – das wird bei Liedermachern gern als selbstverständlich angesehen, noch häufiger jedoch einfach unterschlagen – ein unnachahmlich begabter Musiker und begnadeter Komponist.
Er ist ausdauernd und diszipliniert, beides Tugenden, die im Genie-verliebten Deutschland wenig gelten – außer bei denen natürlich, die sich behaupten. Aber, seine lustvolle Hingabe zu sinnlichen Genüssen steht in keinem nach. Seine epikuren Gelage im Kreise seiner Familie und unter Freunden sind legendär.
Das braucht Umsicht, Zeit und daher ist sein Tagesablauf ebenso streng geregelt wie seine Jahresplanung. Weshalb er regelmäßig neues Material veröffentlicht, seit vielen, vielen Jahren schon.
Er ist ein Unterhalter ganz eigener Klasse. Denn das ist ja auch nicht jedem gegeben, sich einfach auf eine Bühne zu stellen und Tausende Menschen dazu zu bringen, daß sie sich entspannen, daß sie träumen, daß sie nachdenken und lachen und weinen. Möglicherweise sogar in einem einzigen Lied.
Bei allen diesen Qualitäten – sind es doch wohl in erster Linie seine Texte, die in Erinnerung bleiben. Seine Texte sind die eines sanften Revolutionärs, der gern mit Freunden diskutiert: mal wütend, mal ironisch, mal wehmütig, dabei stets offen, persönlich und in sich stimmig.
Über die Jahre ist dabei etwas entstanden wie eine deutsche Biographie – von der Nachkriegszeit bis heute. In den Liedern unseres Preisträgers begegnen wir intimen Momenten der Zweisamkeit, den Wünschen unserer Mitmenschen, mit kleinen, feinen Seitenhieben über die allmächtige Bürokratie, aber auch treffenden Analysen des wankelmütigen Zeitgeistes und den großen Themen der Weltpolitik.
Wie kein anderer kann er einem so schlicht anmutenden Thema wie der Gartenarbeit eine Reimexplosion entlocken: Da ist dann die Rede von einem „Halmvernichter“, einem „Gänseblümchenkiller“ und „Heckenscharfrichter“, einem „Motormäherwüterich“ und „Zweitaktstänker“, nicht zu vergessen der „Gräserausrotter“ und „Pflanzenhenker“.
Das größte Kompliment aber, das man einem Autoren machen kann, ist das, daß seine Texte Allgemeingut geworden sind. Er wollte wie Orpheus singen, kam am Freitag dem 13. traf Annabelle, herrlich unkonventionell und sagte komm gieß mein Glas noch einmal ein.
Du warst es, den ich in meinen Anfängen kopierte. Als du noch bei Schering warst und in den Mittagspausen deine Lieder entworfen hattest, um sie nachts in einem vergammelten Folk und Jazzclub unter die Leute zu bringen, da legte ich einer bildhübschen Sekretärin namens Rosemarie Hoffmann, in die ich verknallt war, deinen Orpheus zum abtippen auf den Schreibtisch und der Betrieb stand für Stunden still. Noch heute ist es meine Hymne.
Du bekommst heute diesen wertvollen Preis heute für die Leistung des Autors denn du hast deutsche Geschichte geschrieben. Ohne das Lied hätte ich bei der Hoffmann niemals die Chance gehabt anzukommen.
In deinem Schaffen und ich habe es oft gesagt sogar öffentlich bist du der Meister, Einzigartig, rebellisch und widersprüchlich im Geiste, eben ein kluger Träumer, wie es sich für einen Dialektiker gehört, der hoch fliegen kann und mit beiden Beinen auf der Erde geht. Und wenn ich einmal durch die Baumärkte streifen sollte, werde ich ein Lied von dir auf den Lippen tragen und mir wird aufgetan.
Unlängst hatten wir meinen 60. Geburtstag zum Anlaß eines Bardentreffens genommen. V. Veen war da, Wader war da, Du warst da.
Und mir wurde noch einmal klar, wie wenig der Begriff Liedermacher ausdrückt. Wir sind zwar Macher im Geiste, aber mehr das was Bob Dylan mit seinen 3 Akkorden und dem eigenen Refugium meinte :
Es wird immer einer kommen, der die ganze Welt in seinen Saiten erklingen lassen wird, der das Meer ruft mit seinem Gesang und Steine zum weinen bringt.
Du warst neben Biermann der erste. Sänger wie du haben den ganzen Rock`n Roll Zirkus in deutscher Sprache angefangen.
Ein Klassiker bist du, Rilke ähnlich und wenn du mal gehen solltest, was Gott noch sehr lange hinauszögern möge, so werden sie dich hier auf Erden immer weiter singen. Von dem, der über den Wolken sang, da wo die Freiheit wohl grenzenlos ist. Herzlichen Glückwunsch, zum Gema - Autorenpreis des Jahres 2011 für Reinhard Mey, meinem Bruder und Freund.