In allen Kulturen und Religionen der Menschheit ist die Rose ein wichtiges und vielschichtiges Symbol. Sie begleitet die Geschichte des Morgen- und des Abendlandes und ist stets mit Geheimnissen und Zweideutigkeiten umgeben. Rosen - Geschichten: Ferne Zeiten und weit entfernte Länder
Die älteste bekannte Abbildung einer Rose ist 4.000 Jahre alt und auf einer sumerischen Tontafel zu finden. Persien galt als das Rosenland schlechthin. Das Wort für Rose ist gleichbedeutend mit Blume. Für den Islam stellt die Rose ein heiliges Symbol dar, da sie aus einem Schweißtropfen Mohammeds entsprossen sein soll. Für Anhänger des Islam wäre es undenkbar, was im Abendland als Ehre gilt, über Rosen zu gehen und dabei deren Blütenblätter zu zertreten. Als Saladin im Jahre 1187 Jerusalem von den Kreuzrittern zurückeroberte, soll er auf 500 Kamelen Rosenwasser herbeigeschafft haben. Er hat mit dem Rosenwasser die Wände und Säulen der Moschee und den Fels, auf dem sie gebaut ist, reingewaschen. Die Moschee war von den Kreuzrittern zur Kirche umgewandelt worden. Erst nach der rituellen Waschung durften gläubige Moslems das Heiligtum wieder betreten.
In der griechischen Mythologie sind die Rosen aus dem Blut von Fruchtbarkeits- und Liebesgottheiten entstanden und waren diesen geweiht. Die Germanen ordneten in ähnlicher Weise die Wildrose der Göttin Freya zu, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit.
Die Römer erblickten in der Rose eher den puren Luxus. Kaiser Nero soll einmal für ein Rosen-Bankett vier Millionen Sesterzen ausgegeben haben. Und auf diesem legendären Gelage Kaiser Neros sollen Gäste an der Unmasse von der Decke herabfallender Rosenblätter erstickt sein. Kleopatra soll Mark Anton in einem Raum, der angeblich ellenhoch mit Rosenblättern bedeckt war, verführt haben. Gegen diese sinnlose und verschwenderische Prunksucht wetterte Horaz, weil Olivenhaine vernachlässigt und fruchtbarste Ackerböden für Rosen- und Veilchenkulturen vergeudet würden. Rosen - Geschichten: Bedeutung der Rose im christlichen Glauben
Rosen standen für Lebensfreude, Luxus und Verschwendung sowie für körperliche Liebe und Fruchtbarkeit. Die Kirchenväter verabscheuten daher diesen Rosenkult. Es galt ihnen als Sünde, sich mit Rosen zu schmücken und die Gräber mit Rosen zu bedecken. Doch die Liebe des Volkes zu den Rosen war stärker.
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass eine christliche Deutung der Rose nicht ausbleiben konnte. Dabei tat man sich anfangs schwer mit der Rose als Blume der Aphrodite, der Venus und der Freya. In Goethes Gedicht vom „Heidenröslein“ symbolisiert sie die jugendliche Frische, Reinheit und Unschuld eines Mädchens. Diese bricht der wilde Knabe, auch wenn sich das Röslein wehrt und sticht. Über ein gefallenes Mädchen äußerte man sich mit dem Satz „Diese Rose ist zu früh gepflückt“ und für das Gegenteil einer alten Jungfer galt der wohlmeinende Rat „Man muss die Rose auf dem Stil nicht verwelken lassen“.
Auf Grund der volkstümlichen Beliebtheit der Rose begann die christliche Theologie und Frömmigkeit, sich das Symbol der Rose anzueignen. Im 11. Jahrhundert wird die Rose zum Attribut Marias, der Mutter Jesu und zum Symbol der himmlischen Liebe. Die Rose setzte sich schnell als Sinnbild von Reinheit und Sittlichkeit durch und wurde zur ständigen Begleiterin der Gottesmutter.
Maria wurde im Mittelalter zur „Rosa mystica“. Die gotischen Kathedralen zieren im Westen in Richtung des alten matriarchalen Paradieses weisende Rosettenfenster, unter denen vor allem Maria verehrt wurde. Dem steht im Osten das männliche Kreuz des Erlösers gegenüber. Die Rose ist das Zeichen der Vergebung durch Christus und sie steht für den Opfertod der Märtyrer. Spätestens als 1208 die Gebetsschnur des heiligen Dominikus den Namen Rosenkranz erhielt, war die Aufnahme der Rose in das Christentum perfekt. Rosen - Geschichten: Verschwiegenheit im Namen der Rose
Die Rose steht auch im weltlichen Verständnis für viele Geheimnisse. „Was wir hier kosten, bleibt unter den Rosen“. Sub rosa dictum verpflichtete zur absoluten Vertraulichkeit.
Der Ausdruck Sub Rosa Dictum (zu Deutsch: Unter Rosen gesprochen) stammt der Legende nach von folgender Begebenheit. Cupido, der Gott der Sinnlichkeit und Liebe, sandte an Harpokrates, den Gott der Verschwiegenheit, einige Rosen als Ausdruck seiner Bitte, die Liebesaffäre seiner Mutter Venus im Verborgenen zu halten. In dieser Erzählung lässt sich die Bedeutung der Rose als uraltes Symbol der Verschwiegenheiten zurückführen. So hängte man im alten Rom bei geheimen Besprechungen eine Rose an die Decke, um die Anwesenden zur Diskretion zu ermahnen. Alles, was im Zeichen der Rose gesagt wird, steht unter dem Siegel der Verschwiegenheit.
Papst Hadrian ließ die Beichtstühle mit Rosenschnitzereien verzieren – an alten Beichtstühlen sieht man sie gelegentlich noch. Auch die Stuckrose über dem bürgerlichen Tisch in der repräsentativen Wohnstube hatte die Bedeutung „sub rosa dictum“.
Im Hochmittelalter brachte man Rosenverzierungen in Ratssälen an, um dort in abgeschlossener Vertrautheit miteinander zu reden. Manchmal hing auch nur eine frische Rose symbolisch an der Tür des Stadtrates, um das „sub rosa“ anzudeuten.
Die Redensarten „sub rosa“ (unter einer Rose) oder „entre nous“ (jetzt mal ganz unter uns) kommen heutzutage nur noch im gehobenen Humanistendeutsch vor. In der volksnahen Umgangssprache haben sich folgende Redewendungen für den gleichen Bedeutungsinhalt herausgebildet. In Norddeutschland heißt es umgangssprachlich „unter uns Pastorentöchtern“ und im süddeutschen Raum und in der Schweiz „unter uns Betschwestern und Brüdern"
In ihrer Bedeutung als Symbolpflanze für die lichten und dunklen Seiten und Widersprüche des Lebens hat die Rose nichts an Wert verloren. Sie steht für Vollkommenheit, Schönheit, Anmut, Lebensfreude, die göttliche und die irdische Liebe, aber auch für Blut, Tod und Vergänglichkeit. Sie ist Sinnbild für die ewige Weisheit und das Geheimnis. Sie ist die Blume der Jungfrauen und Frauen, aber auch des Lasters und der Prostitution. Die Ambivalenz von Liebe und Leid, das Bild von Rose und Dornen macht die Faszination der Rose in der Mythologie und Symbolik im Laufe der Jahrhunderte aus.