Hollywood-Star John Malkovich ist jetzt Jack Unterweger. Autor und Regisseur nennen ihren teuflischen Schabernack ein Stück Musiktheater für Barockorchester, zwei Soprane und einen Schauspieler. Dieses bizarre Ereignis mit Werken von Vivaldi, Haydn, Mozart, Beethoven, Gluck, Boccherini und Weber, das durch ein gewagtes Crossover und reichlich Wiener Charme zu einer giftigen Melange gekreuzt wurde, hatte im kalifornischen Santa Monica Uraufführung. Jetzt kommt es nach Europa, nach Recklinghausen. Wahnsinn!
flowerofchange schrieb am 07. Juni 2010 um 10:22 Uhr
Ein Herr mit Bart und dunkler Brille, in weißem Anzug und weiß getupftem schwarzem Hemd betritt die Bühne. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Hollywood-Star Malkovich, wäre er nicht viel untersetzter als im Film. Er geht an einen Tisch, auf dem sich Bücher, eine Lampe und ein Glas Wasser befinden. Eine Dichterlesung? Malkovich liest aus den Bekenntnissen des Häfenliteraten Jack Unterweger, der sich nach seiner Haftentlassung in den Neunzigern als Serienkiller entpuppte und, erneut in Haft, erhängte.
Nein. Der Bärtige tritt vor, spricht das Publikum an, wie das Direktoren tun, wenn etwas schiefgegangen ist, macht Witze über Theater und Parkplätze in L.A. Er entschuldigt sich für seinen österreichischen Akzent. Der Mann ist bereits der Mörder, der nach dem Finale von „Don Juan“ aus der Unterwelt auftaucht, um uns das Gruseln beizubringen! Heute, nach seinem Tod, sei die Nacht der Bekenntnisse, sagt Jack.
Lyrisch oder dramatisch in den Tod
Und Frauen hat er auch mitgebracht. Zwei Sopranistinnen, lyrisch und dramatisch. In den folgenden 90 Minuten wird Jack aus seinem beschädigten Leben erzählen,die Damen werden um ihr Leben singen, das Orchester wird ihr mehrfaches Sterben, dem Arien von Vivaldi, Beethoven, Boccherini, Haydn, Weber und Mozart vorausgehen, willfährig begleiten.
Malkovich ein dämonischer, verschmitzter, ungeheuerlich präsenter Schauspieler ...
darf schon ein wenig den Charakter des Triebtäters entfalten. Fahrig spricht er mit Akzent, seine Sätze sind abgehackt, während der Körper verdächtig ruhig bleibt. Jack liest still. Das Orchester spielt nun „La Casa del Diavolo“ von Luigi Boccherini. Jack unterbricht, wendet sich an den Dirigenten: Aufhören! Er sei so eine Musik nicht gewohnt, das mache ihn nervös. Laut: „Das ist eine musikalische Provokation!"
„Lieber ein Mörder als ein Niemand“
Dann stottert er in die Stille erste Sätze über seine Kindheit: „Sie war nie eine Mutter für mich.“ Es wird rührend, die Geschichte vom amerikanischen Soldaten, der die blutjunge Österreicherin schwängerte und sie noch vor der Geburt des Sohnes verließ. Jack spielt mit einer Schnur, während die erste Arie erklingt: „Sposa son disprezzata“ von Antonio Vivaldi – ich bin eine verachtete Braut. Er betrachtet die Sängerin, erst aus der Distanz, dann kommt er immer näher, betastet die Singende, horcht. Sie will sich befreien, wehrt sich, er wirft sich auf sie. Das erste Opfer. Frauen wollen zu viel und zu wenig, sagt der Täter und beginnt eine Unterhaltung mit dem Publikum, taucht ein ins Parkett. „Wann hatten Sie zum letzten Mal Sex?“ Lacher. Wenn er Probleme hatte, hätten sich immer Frauen seiner angenommen. „There were some, who simply wanted to fuck a murderer.“ Er rät den Männern, sich an ihm ein Beispiel zu nehmen. Lieber ein Mörder als ein Niemand.
. „Herrschaften, sie müssen den Frauen zuhören, um sie glücklich zu machen“, rät Jack...