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| Die Feste und Rituale zur Wintersonnenwende hatten oft die Ausrichtung, die Sonne zu beschwören und ihr die Kraft zu geben, weiter ihre tägliche Bahn von Osten nach Westen zu ziehen, uns zu leuchten und zu wärmen. Die größte Sorge der Menschen war früher, die Sonne könnte stehenbleiben, sich nicht mehr zur neuen Kraft entfalten, gar nicht mehr am Firmament erscheinen oder uns sogar auf den Kopf fallen. Mit Opfergaben, Gebeten, Feuer und allerlei anderen Bräuchen wollten sich die Menschen die Sonne oder eine Sonnengottheit im wahrsten Sinne des Wortes weiterhin gesonnen machen. |  |
Bei all der Freude um das neugeborene, wiedergewonnene Licht, sollten wir aber die Wintersonnenwende nicht ausschließlich zum triumphalen Sieg des Lichts über die Finsternis verkommen zu lassen, wie dies in patriarchalen Traditionen nur allzuoft geschehen ist. Hier folgt oft auf den Tag die Nacht, auf den Sommer der Winter, auf die Arbeit das Spiel. In matriarchalen Gesellschaften ist das meist umgekehrt: die Nacht ist gefühlsmäßig vor dem Tag, der Winter vor dem Sommer, Ruhezeiten vor Aktivität. Wie entspannend, sich in diese Gedankenwelt hinein zu versetzen. Auch die alten Mutter-Triaden kannten das Prinzip: So entsteht Leben wenn Nyx, die Dunkelheit mit Gaia, der Erde und Thethys, dem Urmeer zusammenwirken. Hier zeigt sich das wunderbare Zusammenspiel der Schöpfungskräfte - die fließende und die erdige Göttin und viel Ruhe und Dunkelheit, damit alles gut gedeihen kann. Denn die Dunkelheit war lange vor allem anderen da und aus ihr ist alles hervorgegangen. Überall im Universum ist es dunkel, die Pflanzen können nur wachsen, weil sie aus dem Dunkel der Erde kommen, die Tiere und Menschen kommen aus der dunklen Geborgenheit des Mutterleibes.
Ein Ritual zu dieser Zeit des Jahres wird erst rund, wenn auch die große Dunkelheit gefeiert, gespürt und geehrt wird - dieser Urzustand, in dem alles Potential vorhanden ist, dieses Innehalten, das ruhig werden der Natur, das Zurückziehen in den innersten (Wesens-)Kern.
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