die große Terrakottaschale in unserem Garten hat mehrere Winter hinter sich gebracht , weist Risse auf ...Sprünge, bröckelt vor sich hin ...die Lilien lieben das so und beginnen zu blühen...
Wabi-Sabi ist ein ästhetisches Konzept (Konzept der Wahrnehmung von Schönheit), das in Japan entstand. Ursprünglich bedeutet "Wabi": sich elend, einsam und verloren fühlen. Dies wandelte sich zur Freude an der Herbheit des Einsam-Stillen. Aber erst in der Verbindung mit "Sabi": alt sein, Patina zeigen, über Reife verfügen, entstand die eigentlich nicht übersetzbare Begriffseinheit, die den Maßstab der japanischen Kunstbewertung bildet. Nicht die offenkundige Schönheit ist das Höchste, sondern die verhüllte, nicht der unmittelbare Glanz der Sonne, sondern der gebrochene des Mondes. Der bemooste Fels, das grasbewachsene Strohdach, die knorrige Kiefer, der leicht berostete Teekessel, das und ähnliches sind die Symbole dieses Schönheitsideals. Es geht um die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden doch alle Reize des Schönen offenbaren (Gundert).
In den Wäldern drüben, tief unter der Last des Schnees, ist letzte Nacht ein Pflaumenzweig erblüht.
In diesem berühmten Vers liest der Verständige das "Sabi" und "Wabi". Geschichte Viele japanische Kunstrichtungen in den letzten 1000 Jahren wurden von Zen beeinflusst, insbesondere von der Akzeptanz und Kontemplation der Unvollkommenheit, des ständigen Flusses und der Impermanenz aller Dinge. Solche Künste können die Ästhetik des Wabi-sabi exemplarisch zeigen. Dazu zählen beispielsweise:
" Andrew Juniper erklärt: "Wenn ein Objekt oder ein Ausdruck in uns ein Gefühl der tiefen Melancholie und eines spirituellen Sehnens hervorruft, dann kann man sagen, dieses Objekt sei Wabi sabi." Richard R. Powell fasst Wabi-Sabi so zusammen: "Es nährt alles, was authentisch ist, da es drei einfache Wahrheiten anerkennt: nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt."
...Immer häufiger finden mich Wabi Sabi Momente...
heute (gerade eben): Die Betrachtung unseres alten, knorrigen Flieders. Kaum wollte er blühen, kam ein sehr heftiges Hagelgewitter. Zerzauste ihn. Er blüht dennoch.
Flieder
Kaum wollte er blühen kam Hagel daher und machte dem Flieder das Leben recht schwer.
Er blüht vielleicht grad‘ nicht in üppiger Pracht und doch treibt er Blüten ganz ruhig und sacht.
Vielleicht etwas eigen, vielleicht etwas still, so treibt doch der Flieder genau, was er will.
Im Frühling der Erste im Herbst erst sehr spät wirft er dann sein Grün ab, steht nackt, wie er steht.
Er wirkt etwas knorrig und seltsam verdreht. Er zeigt mir ganz sacht auf, wie leben so geht.
Und bin ich mal zweifelnd und schaue ihn an, dann flüstert der Flieder: „Du kannst, was ich kann“.